Niedersachsen bundesweites Schlusslicht bei Altersmedizin

GRÜNE fordern Geriatriekonzept: Medizinische Versorgung älterer Menschen verbessern


Ursula Helmold, sozialpolitische Sprecherin und Dr Hans Thomas Hildebrand,
ärztlicher Sprecher des Landesverbands Geriatrie Niedersachsen

Die Landtagsgrünen haben gemeinsam mit dem Landesverband Geriatrie die Landesregierung aufgefordert, die medizinische Versorgung älterer Menschen zu verbessern. "Das bisherige Konzept des Landes wird den Anforderungen einer älter werdenden Gesellschaft nicht gerecht", sagte die sozialpolitische Sprecherin Ursula Helmhold am Freitag (heute) vor der Presse in Hannover. Die alten Leitlinien stammen aus dem Jahr 1993 und sind seitdem nicht mehr fortgeschrieben worden.

Im Vergleich der Bundesländer rangiere Niedersachsen sowohl bei der ärztlichen als auch bei der stationären Versorgung sowie beim Angebot für Reha-Maßnahmen auf den letzten Plätzen.

"Eine speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnittene Versorgung wird deren Ansprüchen besser gerecht und vermeidet in sehr vielen Fällen die Pflegebedürftigkeit", sagte Dr. Hans Thomas Hildebrand, der ärztliche Sprecher des Landesverbandes Geriatrie Niedersachsen und Chefarzt der geriatrischen Kliniken in Hildesheim und Bad Salzdetfurth.

Helmhold und Hildebrand kritisierten, dass bislang an den Medizinischen Hochschulen des Landes kein Lehrstuhl für Geriatrie eingerichtet worden sei. Notwendig seien zudem der  flächendeckende Ausbau geriatrischer Angebote, eine gesonderte Ausweisung von mehr geriatrischen Betten im Krankenhausplan des Landes, der Ausbau von Netzwerken  und eine verbesserte Weiterbildung von Ärzten und Pflegepersonal. Ein entsprechender Entschließungsantrag der Fraktion wurde zur Beratung in den Ausschüssen vorgelegt.  

Die Grünen beziehen sich mit ihren Forderungen auch auf die Ergebnisse der Enquete-Kommission des Niedersächsischen Landtages zum Demografischen Wandel.  Die Zahl der Menschen, die ein Lebensalter über 80 Jahre erreichen wird bis zum Jahr 2030 um 53% (bezogen auf 2007) auf 625.000 steigen, die Zahl Pflegebedürftiger um 45%. Die Landesregierung habe bislang sträflich versäumt, sich darauf vorzubereiten.